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Tierschau - Wie unser Bild vom Tier entstand


Franz Marc, Drei Katzen, 1913, Öl auf Leinwand, 72 x 102 cm
Das Tier steht im Mittelpunkt einer Ausstellung, die seit 16. März 2007 im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud zu sehen ist.

Unter dem Titel Tierschau: Wie unser Bild vom Tier entstand präsentiert das Kölner Museum über 120 Tierdarstellungen von Meistern wie Frans Snyders, Eugène Delacroix, Edouard Manet, Vincent van Gogh oder Franz Marc. Auf lebendige, lehrreiche und teils amüsante Weise zeigt die Ausstellung wie sich die Beziehung zwischen Mensch und Tier verändert hat: vom bloßen Nutztier und Nahrungsquelle hin zum Wesen mit Seele und Mit-glied der Familie. Die Tierschau gastiert bis zum 5. August 2007 in Köln und wird vom Deutschen Tierschutzbund unterstützt.

Eine Ausstellung für Tier- und Kunstfreunde

Wie entstand unser Bild vom Tier? Welchen Anteil hat die Kunst daran? Was wussten und wissen wir vom Tier und was sagt dies über unser Verhältnis zu ihm aus? Die Tierschau antwortet auf diese Fragen mit einer reichen Auswahl von Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen, Druckgraphiken und Fotografien, Porzellangefäßen und Bü-chern, Fossilien, präparierten Tieren und Muscheln aus den letzten vier Jahrhunderten.

Die Bandbreite der gezeigten Tierszenen ist groß und zum Teil auch kurios: spielende Tiger, reitende Affen, kämpfen-de Elchbullen, eigenartige Dinos, grübelnde Doggen, zweiköpfige Kälber, gefährliche Löwen oder Frösche mit Kaninchenohren. Mu-seums- und „Tierschaudirektor“ Andreas Blühm ist besonders stolz auf drei seltene Tiergemälde von Vincent van Gogh: „Diese ein-drucksvollen Bilder gehören zu den Höhepunkten der Ausstellung. Mit seinen expressiven Farben gibt Van Gogh den Tieren (Krebs, Schmetterling und Flughund) eine wunderschöne Ausstrahlung.


Frans Snyders, Zwei springende junge Löwen, ca. 1620-30, Öl auf Leinwand, 88 x 110 cm
Neue und alte Tiere

Die Tierschau nimmt die Besucher mit auf eine Expedition ins Tier-reich der Kunst und erzählt dabei faszinierende Tier-Geschichten. Die Ausstellung beginnt mit Exponaten aus späten 16. Jahrhundert. Europäische Forscher lernen auf ihren Reisen ein neues Tierreich kennen und bringen zahlreiche, exotische Tiere mit nach Hause. Wissenschaftler und Künstler sind gleichermaßen fasziniert von den unbekannten Kreaturen.

Die einen untersuchen sie, die anderen versuchen die „neuen“ Tiere festzuhalten. Was nicht selten kuriose Züge trägt. So sitzen in einem Gemälde von Franz de Hamilton auf einem Baum inmitten einer europäischen Waldlandschaft Kakadu und Papagei neben Fasan und Rotkelchen.

Dinos, Doggen und Darwin

Im 18. Jahrhundert verarbeiten viele Künstler mikroskopische Unter-suchungen und Fossilienfunde. Diese bis dato unbekannten Ge-schöpfe - egal ob Floh oder Dinosaurier - werden durch die künstle-rische Interpretation zum Leben erweckt. Vor allem die Dinos sorgen für viel Aufsehen. Wie passen sie zur christlichen Schöpfungsge-schichte? Hatten sie etwa, wie eine Bibelillustration vermutet, die Arche Noah verpasst?

Diese und weitere Dinosaurierabbildungen können in der Tierschau bestaunt werden. Spektakuläres Highlight ist der Schädel eines Dinotherium giganteum, dem sogenannten Schreckenstier. Diese ausgestorbene Elefantenart war einst das größte Landsäugetier der Welt und zeichnete sich durch seine nach unten gebogenen Stoßzähne im Unterkiefer aus.

Mitte des 19. Jahrhunderts rücken dank Darwins Evolutionslehre die Primaten in den Fokus der menschlichen Betrachtung. Im Kapitel Menschen und Affen reicht die Skala der Exponate von einem auf-wändigen Rokoko-Kostüm für ein Klammeräffchen, Karikaturen von malenden Affen, einem Erdbeeren fressenden Orang-Utan bis zu einem Originalgemälde des legendären Schimpansen Congo aus dem Jahre 1958.

Die Evolutionslehre verbreitet sich rasend schnell. Immer mehr Men-schen sind von der Gleichwertigkeit von Mensch und Tier überzeugt und wollen es in seiner natürlichen Umgebung sehen. Vor allem Künstler der Romantik verarbeiten diesen Wertewandel in ihren Wer-ken. Sie versuchen die Tiere in einem natürlichen Kontext zu zeigen. Damit beeinflussen sie nachhaltig auch das menschliche Bild vom Tier. Der Tiger ist nicht mehr böse, wenn er sein Opfer zerfleischt, sondern hungrig.

Die Menschen beginnen, das Tier nicht mehr nur als bloßes Nutztier und Nahrungsmittel zu betrachten, sondern sehen in ihm ein Wesen mit Seele und einen Freund der Familie. Wilhelm Trübner malt seine Dogge Cäsar 1880 mit einem individuellen Ausdruck. Vor einem Teller mit Wurst weiß sich der Hund in einem tiefen Dilemma. Darf er oder darf er nicht?


Ludger tom Ring d.J., Tierbild mit Ginsterkatze, ca. 1560, Öltempera auf Eichenholz, 37,5 x 58 cm
Das Tier im Atelier der Künstler

Das letzte Kapitel der Tierschau verfolgt die Karriere des Tieres als Motiv. Zu sehen sind Skizzen, Farbstudien, Photographien, Skulptu-ren und Gemälde. Dabei wird deutlich, wie sich im Laufe des 19. Jahrhunderts das künstlerische Interesse am Tier verzweigt. Die eine Strömung konzentriert sich auf die Beobachtung und Wiedergabe, ihre Erben sind die Filmemacher von Heinz Sielmann bis David At-tenborough. Die anderen sehen im Tier ein spirituelles Motiv. Ihre Werke werden abstrakter und Künstler wie Franz Marc reduzieren Katze, Füchse, Kühe, Schafe oder Pferde auf Formen, Farben, Flächen und Linien.

Digitaler Darwinismus statt Playstation

Ein weiteres Highlight der Tierschau ist das interaktive Kunstwerk A-Volve von Christa Sommerer und Laurent Mignonneau. An der inter-aktiven Computer-Installation können vor allem Jugendliche und Erwachsene Evolution spielen. Dafür erzeugen sie an einem Touchscreen eigene Kreaturen, die in einem virtuellen Aquarium schwim-men und mit den Besuchern interagieren. Bei A-Volve wird der Mensch zu einem Schöpfer auf der Suche nach dem perfekten Lebe-wesen im Digitalen Darwinismus. Die billardtischgroße Installation ist ein publikumsfreundlicher und spielerischer Einstieg in die Tierschau und steht deshalb im Foyer des Wallraf.

„Ideelles Sponsoring“ durch den Deutschen Tierschutzbund

Die Ausstellung spricht nicht nur Kunstkenner, sondern vor allem auch Tierfreunde an. „Ideell unterstützt“ wird die Ausstellung deshalb vom Deutschen Tierschutzbund e.V., der sich seit über 125 Jahren für das Wohl der Tiere engagiert. Dessen Präsident Wolfgang Apel freut sich über den Einzug der Tiere ins Museum und auf die kritische Auseinandersetzung mit dem Mensch-Tier-Verhältnis: „Ein würdiger Rahmen für ein faszinierendes Thema. Die Quantität und Qualität der Ausstellung wird sicherlich viele Tierfreunde begeistern. Deshalb unterstützten wir als Deutscher Tierschutzbund das Wallraf bei die-sem engagierten Projekt.“ Durch die Auswahl der Exponate werde deutlich, wie positiv sich das Verhältnis von Mensch zu Tier in den letzten drei Jahrhunderten verändert habe. Dennoch sei es wichtig, weiterhin gegen Tierqual in unserer Gesellschaft zu kämpfen. Zu diesem Zweck wird sich der Tierschutzbund im Rahmen der Ausstellung mit seiner hochgelobten Plakatserie Respekt präsentieren.

Kunst im Kölner Zoo

Einen weiteren wichtigen Kooperationspartner hat das Wallraf mit dem Kölner Zoo gewinnen können. Die Wissenschaftler vom Zoo helfen ihren Kollegen der Kunst bei der korrekten Benennung vieler Tierarten und einem fachlich adäquaten Begleitprogramm. Dafür unterstützt das Wallraf den Kölner Zoo bei der Organisation und Durchführung von zwei Satellitenausstellungen, die während der Tierschau dort zu sehen sind. Die schwarzweißen Elefantenporträts des Künstlers Volker Hildebrandt aus seinem Zyklus Elephants.

Eyes zeigen Zoo und Museum vom 29. März bis zum 3. Juni 2007 im Ele-fantenhaus. Die Fotoarbeiten von Alice Stepanek – art-gerechte Wanderwege - werden zwischen dem 6. Juni und dem 5. August 2007 auf dem ganzen Zoogelände ausgestellt. Alle Besucher der Tierschau bekommen bei Vorlage ihres Museumstickets im Zoo zwanzig Pro-zent Ermäßigung auf den regulären Eintrittspreis. Diese Regelung gilt auch für Zoobesucher, die die Tierschau sehen wollen.

www.tierschau-im-wallraf.de

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